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Was unsere Praxis im Bereich der Gynäkologie anbietet, möchten wir anhand eines Beispieles illustrieren.

Am Anfang stand der Wunsch, mit der wunder-schönen Bernhardinerhündin "Dawina" zu züchten. Die Auswahl des Rüden ist nicht nur von züchterischer Bedeutung, sondern verlangt - je nach Standort - auch die Bestimmung des optimalen Deckzeitpunktes bei der Hündin. Bei Dawina war dies der Fall, lebt doch ihr "Angetrauter" in Deutschland!

Bestimmung des idealen Deckzeitpunktes

Grösste Aussicht auf Erfolg besteht, wenn man zum Zeitpunkt der Eisprünge (Ovulationen) die Hündin deckt. Mit drei verschiedenen Methoden machten wir am 22. Juni 2004, nachdem die Läufigkeit schon 9 Tage (blutiger Scheidenausfluss, der dann fleichwasserähnlich wurde) bestanden hatte, eine erste Standortbestimmung.

1. Beurteilung der Scheide (Felderung nimmt bis zur Ovulation stetig zu)   

2. Scheidenabstrich zur Beurteilung der Zellen (Anzahl verhornter Zellen nimmt zu)                                                                                      

3. Hormon-Schnelltest: Mit diesem Test haben wir die ungefähre Höhe des Progesterons im Blut von Dawina festgestellt. Das Resultat ist innerhalb weniger Minuten ablesbar.

Das Ergebnis dieser Standortbestimmung war eindeutig: Es war noch zu früh für den idealen Deckzeitpunkt. Die Wiederholung dieser Tests nach 2 Tagen erlaubte uns, grünes Licht zu geben. Tatsächlich hatte es am folgenden Tag auch "geklappt" und die Rückreise aus Deutschland konnte mit einem hoffnungsvollen Gefühl unter die Räder genommen werden. Mit Spannung erwarteten die Besitzer und unser Praxis-Team den 28. Tag nach der Deckung ab, ehe wir folgende Untersuchungen zur Überprüfung einer möglichen Trächtigkeit unternehmen konnten!

1. Manuelle Palpation: Am 28. Tag (bzw. vom 24.-30 Tag) ist es häufig möglich, die zitronenförmigen Fruchtkammern als relativ feste Gebilde abzutasten. Dawina war an diesem Tag etwas nervös, spannte dabei die Bauchdecke derart an, dass eine Palpation sehr schwierig war.

2. Ultraschall-Scanner Diagnostik: Flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Fruchtblasen) sind echofrei und bilden sich als dunkle Zonen ab. Bei Dawina verzichteten wir auf eine solche Untersuchung, weil wir einerseits die Haare am Bauch und zum Teil an der Flanke hätten scheren müssen. Deshalb stützten wir unsere Diagnose auf den folgenden Bluttest ab.

3. Fast Test Relaxin: Ab der 4. Trächtigkeitswoche ist das Hormon Relaxin, das hauptsächlich in der Plazenta gebildet wird, im Blut nachweisbar. Nach der Blutentnahme bei Dawina konnten wir ca. 15 Min. nach der Durchführung des Schnelltest mit Freuden das positive Resultat ablesen.

Am 26./27. August war der erwartete Geburtstermin. Am 27. August wurde bei Dawina erste Geburtsanzeichen beobachtet. Unter anderem konnte das Abgehen des Zervixschleimes beobachtet werden. Der Scheidenausfluss verfärbte sich später grünlich, was ein Hinweis dafür war, dass an der Plazenta Ablösungsversuche eingesetzt haben, und dass der zur Geburt anstehende Welpe möglicherweise nicht mehr lebt. Massnahmen bzw. Medikamente zur Beschleunigung der Geburt blieben erfolglos.

Bei der anschliessenden Ultraschalluntersuchung konnten wir eindeutig den Herzschlag der Welpen feststellen.

Die Röntgenuntersuchung zeigte, dass man einerseits mit etwa 10 Welpen rechnen musste/durfte, andererseits aber auch keine Anzeichen für grössere Komplikationen bestanden.

Auf Grund dieser Sachlage entschieden wir uns für einen Kaiserschnitt. Dank dieser Massnahme konnten 12 Welpen entwickelt werden, wovon einer tot war. Die Zeit nach der Geburt sowie das Heranwachsen der Welpen verlief ohne Komplikationen.