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Dank der gut ausgebauten Labordiagnostik haben wir die Möglichkeit auch medizinisch komplizierte Fälle zu lösen. Auch bezüglich Therapien ist es unser Bestreben, die gleichen Möglichkeiten anzubieten wie sie im Tierspital Zürich der Fall sind.

Fallbeispiel "Pepina"

Folgendes Fallbeispiel einer heute seltenen Erkrankung:

Am 18.10.04 wurde ich zu einem Rind gerufen mit totaler Fressunlust. Befund:

  • Allgemeinbefinden leichtgradig gestört
  • Leichtgradige Kolikerscheinung, schaute häufig nach rechts zum Bauch
  • Schmerzen am Bauch rechts
  • Herz- und Atemfrequenz erhöht
  • Fehlender Kotabsatz d.h nur wenig, übelriechender, schleimüberzogener Kot
  • Keine Pansenmotorik

Aufgrund der Untersuchung wurde ein Darmverschluss eher ausgeschlossen, hingegen deutete der Zustand auf eine Anschoppung, schmerzhafter Vergrösserung und Austrocknung des Blättermagens (Psalterparese, im Volksmund auch Läsibrand genannt) hin. Nicht zuletzt auch wegen folgenden Umständen: Haltung auf Weide mit kurzem Gras, Jahreszeit (Herbst) mit sehr kalten Nächten. Dies kann dazu führen, dass das Tier einerseits zu wenig Flüssigkeit aufnimmt und andererseits angefrorenes, kurzes und relativ trockenes Futter aufnimmt. Die Therapie wurde mit Spritzen und Leinsamenschleim eingeleitet.

19.10.04 Morgen
Das Rind zeigte keine Besserung. Im Gegenteil, der Zustand hatte sich verschlechtert. Der Mastdarm war völlig leer. Um mit letzter Sicherheit einen Fremdkörper als mögliche Ursache für die Schmerzen im Bauchraum auszuschliessen, führte ich einen Glutaltest durch. Der Test war negativ, ein Fremdkörper kam nicht mehr in Frage. Die Verdachtsdiagnose wurde erhärtet. Die Therapie wurde ausgedehnt: Dauertropfinfusion mit 10 Litern in 24 Stunden, weitere Spritzen und zusätzlich zum Leinsamenschleim auch Glaubersalz.

19.10.04 Abend
Die Therapie zeigte Wirkung. Das Rind hat jetzt wässerigen Durchfall. Mit einer Fortsetzung der Dauertropfinfusion, weiteren verdauungsregulierenden Spritzen und Beutel zum Einschütten konnte wieder eine Normalisierung des Gesundheitszustandes erreicht werden. Dank dieser Massnahmen konnte eine Operation vermieden werden.