Kokzidiose

Auch wenn die Ursache für Durchfall als Bestandesproblem meist ein Magen-Darm-Wurmbefall ist, können auch andere Gründe in Frage kommen. So z.B. Kokzidiose.

Wegen Durchfall als Bestandesproblem wurden wir auf einen Betrieb gebeten, um die Ursache genauer abzuklären. Dank der allgemein guten Entwurmungsstrategie in unserem Praxisgebiet stand für uns der Verdacht eines Wurmbefalls im Hintergrund. Trotzdem entschlossen wir uns, eine parasitologische Kotuntersuchung durchzuführen. Das Ergebnis war beeindruckend: hochradiger Kokzidienbefall.


Allgemeine Informationen zur Kokzidiose

Während ein Kokzidienbefall bei extensiver Weidehaltung kaum klinische Symptome auslöst, können bei enger Haltung (Stallhaltung, begrenzter Auslauf, überbesetzte Weiden, Haltung von Mastlämmern in sog. feed lots) Krankheits- und Todesfälle auftreten.
Die mit dem Kot ausgeschiedenen Eier versporen innerhalb weniger Tage.  Die Schafkokzidien sind in der Außenwelt sehr widerstandsfähig.  Die Ueberlebensfähigkeit nicht versporter Oozysten in feuchten Kotballen beträgt bei 5°C bis 4 Monate, bei 25°C noch 7 Tage. Während in feuchter Umgebung die versporten und nicht versporten Oozysten monatelang ansteckungsfähig bleiben, sterben sie bei Trockenheit und durch Einwirkung von Temperaturen über 40 °C innerhalb weniger Tage ab.
Die Ansteckung erfolgt durch Aufnahme der versporten Oozysten mit dem Futter, dem Trinkwasser und der Einstreu. Die Kontamination erfolgt primär durch infizierte Jährlinge und Mutterschafe. Letztere haben nach dem Ablammen die höchste Ausscheidungsquote.
Die Infektion begünstigende Faktoren sind unzureichende Fütterung, plötzlicher Futterwechsel, Haltungsänderungen, Transportbelastungen. Infektionen mit Kokzidien führen zu einer gewissen Immunität.

Symptome: Krankheitserscheinungen treten vor allem bei Lämmern im Alter von 4-8 Wochen auf: wäßriger, später mit Blut durchsetzter Kot. Kotdrang, gekrümmter Rücken, Zähneknirschen, blasse, weisse Schleimhaut, Nachlassen der Freßlust, fortschreitende Abmagerung, allgemeine Schwäche, taumelnder Gang, Festliegen. Der Tod tritt nach mehrtägiger Krankheitsdauer ein. Plötzliche Todesfälle ohne klinische Symptome kommen vor. Bei subakutem Verlauf dominieren Durchfall, Nachlassen der Lebhaftigkeit und Abmagerung; Todesfälle treten im allgemeinen nicht auf. Nach überstandener Infektion erholen sich die Lämmer nur langsam.

Diagnose: Aufgrund der klinischen Symptome ist nur eine Verdachtsdiagnose zu stellen. Sie kann durch die Kotuntersuchung nur bedingt gesichert werden, da die Oozystenausscheidung starken Schwankungen unterworfen ist. Diagnostisch wertvoll ist der Sektions-befund.

Vorbeugung: Trockenhaltung des Stalles, insbesondere im Bereich der Futter- und Tränkplätze, durch ausreichende und regelmäßig zu erneuernde Einstreu. Als Ausläufe dürfen nur trockene Flächen benutzt werden. Keine Überbelegung der Weiden. In gefährdeten Herden sind Kokzidiostatika dem Lämmerfutter zuzusetzen.

Kalzinose

Einmal wurden wir auf einen Betrieb gerufen weil der Nährzustand der Schafe und Ziegen trotz guter Fütterung und konsequenter Entwurmung unbefriedigend war. Die klinische Untersuchung war relativ unauffällig: vermehrtes Liegen, schwacher Puls, gerötete Lidbindehäute, und zT. verstärkte Atmung bei geringer Anstrengung. Die Blutbefunde - erhöhter Phosphorgehalt, zu tiefes Kalzium und Albumin- liessen zwar den Verdacht für eine sogenannte Kalzinose (va nachträglich) aufkommen. Die endgültige Diagnose wurde dann aber erst anhand eines eingeschläferten Tieres bei der Sektion gefällt.

Allgemeine Informationen zur Kalzinose

Die Fütterung mit Heu von einem sehr hohen Goldhaferanteil (Trisetum flavescens) verursacht Kalzinose. Goldhafer hat einen sehr hohen Vitamin D3-Gehalt. Dieser führt zu einer Störung im Phosphor-/Kalzium-Stoffwechsel.
Folgende Symptome können beobachtet werden:
Vermehrtes Liegen, vorbiegende Stellung in der Vorderhand, wechselseitige Belastung der Gliedmassen, Bewegungsunwilligkeit, steifer Gang, Schmerzhaftigkeit im Bereich der Fesselgelenke, Fortbewegen auf den Vorderknien, hochgradige Rötung der Lidbindehäute (Augen), erhöhte Atemfrequenz, Atemnot bei der geringsten körperlichen Belastung. Die Diagnose wird anhand der klinischen Symptome und der Blutwerte (Erhöhung des Phosphorgehaltes, zu geringe Aktivität der alkalischen Phosphatase) gestellt. Eine spezifische Therapie gibt es keine. Im frühen Stadium der Erkrankung sind Weide- bzw Futterwechsel vorzunehemn. Spätstadien  gelten als unheilbar.   

Listeriose

Wegen mangelnder Fresslust, Kopfsschiefhaltung und Festliegen wurden wir einmal zu einer Ziege gerufen. Nach der klinischen Untersuchung, bei der wir ua. Fieber, den Ausfall von Gehirnnerven und einen sogenannten Nystagmus feststellen konnten, stellten wir die Verdachtsdiagnose Listeriose. Die Behandlung zeigte keinen Erfolg. Die Ziege musste am anderen Tag eingeschläfert werden.

Allgemeine Informationen zur Listeriose

Die Listeriose ist eine weltweit vorkommende, durch Listerien (Bakterium Listeria monocytogenes) verursachte akute, nicht ansteckende Krankheit. Die Krankheit kommt bei sämtlichen Haustieren, zahlreichen Wildarten und beim Menschen vor. Von den Haustieren erkranken Schafe am häufigsten.
Die wichtigste Ansteckungsquelle ist eine Silage mit pH-Werten über 5,6, in erster Linie Grassilage. Ungenügende Gärung, wovon vor allem die Randpartien des einsilierten Futters betroffen sein können, leisten der Vermehrung  der im Siliergut vorhandenen Listerien Vorschub. Weitere Ansteckungsquellen sind verschimmeltes Heu und bei ungüstigem "Heuwetter" auf dem Grünland verbliebene Heureste. Betroffen sind Tiere aller Altersklassen. Die Krankheit wird in den Monaten Januar bis Juni vermehrt diagnostiziert.


Symptome: Die Listeriose tritt in vier verschiedene Formen auf. Weitaus am häufigsten beobachtet man die zentralnervöse Form (Gehirnform), bei der folgende Symptome auftreten können: Benommenheit, Drehbewegungen, gesenkte Kopfhaltung, Hängenlassen der Ohren, Lippenzittern, Augen- und Nasenausfluss, Bindehautentzündung und Festliegen.
Listeriose kann aber auch zum Verwerfen führen (metrogene Form) oder bei Lämmern in den ersten Lebenswochen Fieber, Schwäche, Saugunlust und Durchfall verursachen (septikämische Form). Bei der Augenform sind Bindehaut- und Hornhautentzündung zu beobachten.

Diagnose: Die Verdachtsdiagnose der zentralnervösen Form der Listeriose kann anhand der klinischen Symptome gestellt werden. Weitere Untersuchungen (Blut, Gehirnflüssigkeit) können die Diagnose absichern.

Therapie: Die Listeriose ist nur bei frühzeitig eingeleiteter, mehrtägiger Antibiotikatherapie heilbar. 

Prophylaxe: Herstellung einwandfreier Silage, möglichst unter Verwendung von Silierhilfsmitteln. Reinigung und Desinfektion der Silos vor der Beschickung.